Der Elefant Pete V

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Der kleine Elefant Pete hatte genug von seinem Elefantendasein und wollte Regisseur werden. Als kleiner Elfantenjunge hatte er schon davon geträumt, wilde Actionszenen und hinreißende Romantik in einem Blockbuster allererster Güte zu vereinen. Es gab nur ein Problem: In den unendlichen Weiten der Savanne ließen sich die Großstadtszenen schwer verwirklichen. Das höchste “Gebäude“ vor Ort war das von den Nashörnern erbaute Kunstwerk „Al dente – Polente“, welches den Sieg der Nashörner über ihre ontologischen Karpfenkrämpfe symbolisieren sollte. Und wer wollte dieses oft als zufällige Ansammlung von Schrott wahrgenommene Etwas schon gerne in einem Kinofilm sehen? Pete jedenfalls nicht.

Am Anfang dieses elefantistischen Großprojektes stand erstmal die Entscheidung für ein Genre. Drama fiel flach, dafür reichte das schauspielerische Talent der Zebras nicht. Überhaupt die Zebras!?! Taugen eh nur als Statisten. Höchstens. Blöde Zebras. Ein spannender Thriller war ja schon das Leben selbst in der harten Wüste. Das Thema war also ausgelutscht. Die entscheidende Idee kam Pete, als er Karell-Anton sah, der sich mit einem zugegebenermaßen sehr aufmüpfigen Erdmännchen um den weit und breit letzten Granatapfel stritt. Karell-Anton, der ungelenke Elefant, war dem flinken Erdmännchen in allen Belangen unterlegen. Slapstickhafte Szenen spielten sich ab. Erdmännchen läuft durch die Beine des Elefanten. Elefant beugt sich vorne rüber, um das Erdmännchen nicht aus den Augen zu verlieren. Elefant fällt kopfüber. Elefant fliegt durch die Luft. Elefant schlägt nach einem doppelten Salto sehr hart auf die Erde auf. Wenn Karell-Anton etwas perfektioniert hatte, dann war es ein Todsicheres Gespür dafür, wie man möglichst blöd, möglichst schmerzhaft hinfällt. Man konnte ihm ein gewisses komödiantisches Talent nicht absprechen. Nach dieser Beobachtung wusste Pete sicher, was für einen Film er drehen wollte: Einen Krimi! Ja, ein Elefantengehirn geht manchmal komische Wege…

Den passenden Trenchcoat ließ Pete aus Krokodilshaut fertigen. Schauspieler waren schnell gefunden. Die Großstadtkulisse aus den Träumen seiner Jugend wurde schnell mit 1.542 gestapelten Chamäleons nachgebaut, die sich als Großstadtkulisse tarnten. Fehlt nur noch die passende Handlung. Aber was heißt hier “nur“? Gescheite Drehbücher zu finden war schwer. Die Affen hatten schon vor 200 Jahren mit dem Schreiben selbiger aufgehört und angefangen sich mit Bananen zu beschäftigen. Antilopen waren zu unpoetisch. Hyänen zu ausschweifend. Giraffen konnten nicht schreiben. Wüstenmäuse nicht lesen. Schlangen konnten nichts. Pete sammelte deshalb von jeder der genannten Arten ein Exemplar ein, presste sie aus und trank die erfrischende Mischung mit dem Ziel ihre Kräfte zu absorbieren. Das klappte natürlich nicht. Aber dadurch wieder ihm so übel, dass er zum Arzt musste, der ihm ein Drehbuch verkaufte. Es war nicht ganz vollständig und nicht ganz jugendfrei, aber egal.

„Sie scheinen da eine wichtige Tatsache vergessen zu haben, Herr Dembinski.“ Karell-Anton war DIE perfekte Besetzung für den Kommissar. „Wie kommt denn sonst die Tierleiche ihrer Frau in den Kleiderschrank?“ Karell-Anton alias Scherlock-Katie Holmes setzt seinen “Jetzt.de-hab-ich-dich“-Blick auf. „Es war der Gärtner! Ich schwöre es!“, entgegnete ihm der verängstigte Pavian alias Herr Dembinski. „SCHNITT!!!!“, rief Pete, der sehr zu seinem Erstaunen feststellen musste, wie einfach es doch war, Regie zu führen. Einfach bis auf die Tatsache, dass sie diese eine Szene da vorgestern, die mit dem Streit der beiden Eheleute beginnt, wonach sie ihn aus Eifersucht betrügt, er daraufhin den Gärtner mit dem Mord beauftragt, sie wiederum den Gärtner tötet und durch einen anderen ersetzt, er im Gegenzug zweieinhalb neue Vasen kauft und es danach mit seiner Chefin treibt (wie gesagt, nicht ganz jugendfrei), woraufhin der neue Gärtner aus unbekannten Gründen die Ehefrau tötet, dass sie diese Szene jedenfalls, die dann mit dem Ende des Films endet, circa 14 mal drehen mussten. Es war wohl der längste Einschnittkrimi der jüngeren afrikanischen Filmgeschichte. Die jetzt gedrehte Szene diente lediglich als Teaser, war aber auch partiell im Endwerk enthalten.

Die Massen strömten in die Zeltkinos und gaben anschließend stehende Ovationen. Die Kritiker waren begeistert und lobten den Film als Zitat: “gelungen, aber irgendwie auch nicht gelungen.“, was schon als ein sehr großes Lob der sonst gnadenlos abrechnenden Fachpresse angesehen werden muss. Zwei Monate nach dem Filmstart aber zog der Apotheker vor Gericht und erwirkte einen sofortigen Stopp des Films aufgrund diverser Copyrightverletzungen und eines ungültigen Kaufvertrages. “Das Morgen Grauen oder der Gärtner tötet manchmal auch abends“ war Petes erster und letzter Blockbuster. Leider.

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