Das Ende der Zeit?

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Das Ende der Zeit?

Hat man nicht öfter schon beim Anblick einer Fliege gedacht: „Was für ein kurzes Leben diese Fliege hat? Eigentlich schade.“ Doch vielleicht ist dieser Ansatz falsch und zu sehr auf unsere Realität verengt. Wir können nicht ausbrechen aus dem, was ich subjektive Realität nenne. Ebensowenig kann es die Fliege. Die Frage ist, wie stellt sich die subjektive Realität der Fliege dar. Die erste Grundthese lautet: Je höher die Reaktionsfähigkeit, desto langsamer vergeht die Zeit in der subjektiven Realität. Das menschliche Bewusstsein wird noch in der Forschung entschlüsselt, aber, soviel ist klar, das Bewusstsein besteht aus mehreren Teilen, ist sehr komplex angelegt und mündet in dem Strom des Bewusstseins, den wir tagtäglich erleben und kaum noch wahrnehmen. Dazu zählt auch die Zeit. Eine Fliege besitzt aller Wahrscheinlichkeit nach grundlegende kognitive Fähigkeiten. Ihr schnelles Reaktionsvermögen, der durch ihren schnelleren Strom des Bewusstseins erzeugt wird,vergeht für sie die Zeit langsamer als für uns Menschen. Das heißt, die subjektive Realität läuft de facto langsamer ab, als die des Menschen. Die Fliege hat eine andere Zeitwahrnehmung als wir Menschen. Vielleicht klingt es absurd, sich in die Wahrnehmung einer Fliege hineinzudenken, aber es ist sehr lohnenswert. Wenn wir nach einer Fliege mit einer schnellen Bewegung schlagen, um sie zu töten, ist das für sie wahrscheinlich eine langsame Bewegung, der sie ausweichen kann.

Damit einher gehen bei der Fliege die „körperlichen“ Vorraussetzungen: Sie ist sehr klein und hat kurze physikalische Wege in der Informationsverarbeitung ihres Nervenzentrums. Durch diese Vorraussetzungen kann Sie kaum neue oder haltbare synaptische Plastizität errichten und besitzt kaum ein Gedächtnis.

Als Gegenbeispiel zur Fliege nehmen wir nun die Schildkröte, die im Vergleich zum Menschen sehr viel älter werden kann. Dementsprechend müssten meinen Überlegungen zufolge einen langsameren Strom des Bewusstseins besitzen. Zeit würde in ihrer subjektiven Realität im Vergleich zum Menschen schneller vergehen. Zudem sind Schildkröten auch nicht als die reaktionsschnellsten Tiere bekannt. Durch diesen langsameren Strom des Bewusstseins, der auch wieder an die körperlichen Vorraussetzungen geknüpft ist, können sich synaptische Strukturen besser ausbilden. Sie gehen langsamer und tiefgreifender vonstatten als anderen Tieren. Das faszinierende an Schildkröten war schon immer Ihre Gedächtnisleistung (Geburtsort, Rückkehr dorthin nach Jahrzehnten). Die Schildkröte hat eine andere Zeitwahrnehmung als der Mensch, als die Fliege. Zeit vergeht für sie in einem komplett anderen Tempo.

Ein interessantes Gedankenexperiment ist es, sich das Bewusstsein einer Fliege im Körper einer Schildkröte vorzustellen oder umgekehrt. Beides würde nicht funktionieren und macht deutlich, dass das Bewusstein an die jeweilige körperliche Form gebunden ist.

Dies bringt uns zu der Frage: Was geschieht mit der Zeit, wenn kein Bewusstsein vorhanden ist? Die logische Schlussfolgerung wäre: Sie vergeht nicht. Zeit ist ein Produkt des Bewusstseins und stellt sich bei verschiedenen Arten unterschiedlich dar. Zeit ist untrennbar mit Bewusstsein verknüpft.