Der Elefant Pete IV

Seite

Der kleine Elefant Pete hatte genug von seinem Elefantendasein und wollte Tod werden. Tod werden? Wie geht das denn? Naja, der Tod ist gestorben und die Stelle war somit frei. Der Tod ist tragischerweise in der Badewanne ausgerutscht und hat sich das Skelett gebrochen. Die Hoffnung fand ihn schließlich, als er nicht zur Arbeit erschien. Nun machte sich unser tapferer Held auf das Jenseits (und Diesseits!) zu erobern.

Pete hat von der freien Stelle erfahren, als er gerade durch die Savanne trampelte. Dort kam es nämlich zu seltsamen Szenen. Zebras liefen auf die hungrigen Löwen zu, zeigten ihnen die lange Nase und rannten schnell weg. Die Löwen waren sehr erbost über diese Provokation und versuchten, wie es ihrem naturell nun mal entspricht, die Sache nicht mit Diplomatie (oder sogar: Duplomatie) zu lösen, sondern mit scharfen Zähnen. Nur es gab ein Problem: Diese doofen Zebras wollten einfach nicht sterben. Sie hatten anscheinend mitbekommen, dass der Tod gerade verhindert war und nutzen die Situation schamlos aus. Pete schaute dem Spektakel eine Weile zu, aber wandte sich dann doch relativ schnell gelangweilt ab.

Szene zwei war nicht minder absurd. In der Nahrungskette weiter unten hatte sich das Gerücht, dass der Tod gerade auf Urlaub war, doch enorm schnell verbreitet. Und so kam es zum Aufstand der Wüstenmäuse, Antilopen und Klopfkäfer. Zum ersten Mal sah Pete Hyänen und Geier die Angst hatten! Sie liefen gerade vor der wilden Proletarierherde davon. Aber wovor hatten sie eigentlich Angst? Verhungern konnten sie ja nicht. Aber der Gedanke alleine heute mal nicht Chef im Ring zu sein, schien sie doch ganz schön zu verwirren. Pete wusste, dass es nicht so weitergehen konnte.

Was also tun um den Lauf der Natur wiederherzustellen? Wenn nicht bald ein paar Tiere in die ewigen Jagdgründe eingingen, könnte es ziemlich eng werden in der Wüste. Und wenn Pete eins mehr hasste als dieses durcheinander hier, dann war es definitiv Enge. Seine klaustrophobischen Anfälle in Menschenmengen hatten ihm schon recht früh den Spitznamen „kleiner-störrischer-Elefant-der-nicht-gerne-viele-Leute-um-sich-hat-die-ihn-dann-hin-und-her-schieben“ eingebracht. Der Spitzname war allerdings einen Hauch zu lang, deshalb setzte sich dann doch das schlichte „Pete“ durch. Besonders schlimm war es für ihn, als er sich einmal von Karell-Anton hatte überreden lassen, mit auf das Robbe Williams Konzert zu kommen. Die Robbe Williams war DER Megastar schlechthin und kam nur selten für Auftritte aufs Festland, also war dementsprechend die halbe Wüste auf den Beinen. Unser kleiner Elefant musste nach diesem Konzert mehrere Monate in psychiatrische Behandlung, weil er den Stress in der Menge einfach nicht verkraftete.

Das sollte ihm nie wieder passieren, schwor er sich und bewarb sich auf die freie Stelle. Karell-Anton hatte für ihn ausfindig gemacht, an wen er die Bewerbungsunterlagen (mit Lebenslauf und Lichtbild!) schicken musste. Er war doch sehr überrascht, dass ihm das Ministerium für philosophische Angelegenheiten schnell antwortete, schließlich besaß er keine besonderen Qualifikationen auf diesem Gebiet. Aber vielleicht macht ihn ja gerade dies für die freie Stelle als Tod so interessant. Er wurde zu einem Assessment-Center eingeladen. Ihr wisst schon oder? Ach… Ungebildetes Volk… Dann such ich mal für euch bei Wikipedia: „Ein Assessment-Center in Form eines betrieblichen Auswahlverfahrens oder auch Personalauswahlverfahrens ist ein aufwändiges Verfahren, in dem mehrere Beobachter (Vertreter der Fachabteilung, Personalabteilung, Psychologen, externe Berater u. a.) einen bzw. mehrere (unternehmensinterne oder -externe) Kandidaten anhand von Verhaltensausprägungen beobachten, beschreiben, beurteilen und einschätzen, um auf der Basis eines zugrunde liegenden Anforderungsprofils deren Eignung für eine konkrete Aufgabe bzw. Stelle zu bewerten. Dieses kosten- und zeitaufwändige Auswahlverfahren wird in der Regel nur bei Stellenbesetzungen mit Hochschulabsolventen bzw. mit Führungsverantwortung [sic!] eingesetzt.“ Unternehmensinterne Kandidaten waren rar gesät. Die gute Frau Hoffnung hatte zwar den Tod gefunden, aber wollte den Job nicht wirklich übernehmen. Sie argumentierte in die Richtung, wie das denn aussähe, wenn jetzt die Hoffnung den Job des Todes mache und was das für Konsequenzen hätte und überhaupt. Da hatte sie sicherlich nicht Unrecht. Auch die internen Kandidaten Frau Reue, Herr Glaube, Herr Anstand, Frau List, Frau Dummheit und Herr Mord kamen für die Positionen nicht in Frage. Also wurden externe Kandidaten wie Pete eingeladen, den Job zu übernehmen.

Das Assessment-Center wurde im Nachbarort Nirwana veranstaltet, so dass Pete Reisestrapazen weitestgehend erspart blieben. In einer netten Plauderrunde konnten sich die fünf Kandidaten bei einem Drink näher kennen lernen. Pete nutzte die Chance, um dem netten Herren im schwarzen Anzug (angeblich ein Hamburger Ex-Justizsenator mit hervorragenden Chancen auf den Posten) einen vergifteten Cocktail zu reichen. Da waren es nur noch Vier Kandidaten. Die unabhängigen Beobachter waren beeindruckt von der Entschlossenheit Petes. Nach einigen Aufwärmspielchen (ene, mene, muh, tot bist Du) ging es dann zur Sache. Pete setzte sich in einem fiktiven Rollenspiel, in dem es darum ging, als Tod nicht zu unvermittelt aufzutreten, souverän gegen einen gewissen Jesse James durch. Das andere Halbfinale im Rollenspiel, welches unter dem Thema „Von der Schippe gesprungen – Was nun?“ ausgetragen wurde, gewann Ronald McDonald überraschend gegen den haushohen Favoriten Mahatma Gandhi.

Ronald besaß den Vorteil eines irrwitzigen Irrsinns, den wohl jeder, der diesen Job machen will, gut gebrauchen kann. Pete dagegen war als Underdog mit viel Leidenschaft ins Rennen gegangen und hatte es jetzt mit brillanten Leistungen ins Finale geschafft. Die Final Disziplin lautete: Seilspringen. Pete witterte Betrug! Wie sollte er das schaffen! Elefanten waren bekanntermaßen das Gegenteil talentierter Seilspringer! Nicht ein großer Seilspringer der letzten 450 Jahre war ein Elefant gewesen! Mit wilden Schimpftriaden griff er die Übungsleitung an. Doch die erwiderte, dass auch Ausdauer und Koordinationsvermögen gefordert seien. Ronald McDonald schaut nur auf seine überdimensionalen Füße und konnte Petes Einwände nicht verstehen. Der Wutausbruch Petes zog seine Disqualifikation nach sich. Vielleicht wurde Pete auch Opfer der neuen Personalpolitik des Ministeriums für philosophische Angelegenheiten. Hinter den Kulissen munkelte man, dass man nun, da der alte grimmige Tod tot sei, ein neues, frisches, unverbrauchtes Image aufbauen wollte. Ronald McDonald freute sich nichtsdestotrotz riesig über den neuen Job. Sein alter Arbeitgeber war weniger erfreut. Dramatische Umsatzeinbrüche waren die Konsequenz daraus, dass die Leute nicht sehr viel Vergnügen daran hatten, beim neuen Tod zu essen. Im Nachhinein war Pete ganz froh den Job nicht gekriegt zu haben und sogar ein bisschen Schadenfroh. Denn eins ist sicher: Er hätte sich als Tod bestimmt nicht zum Clown gemacht.

Ein Gedanke zu “Der Elefant Pete IV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s