Der Elefant Pete II

Seite

Der kleine Elefant Pete hatte genug von seinem Elefantendasein und wollte Schlagerstar werden. Ein ziemlich merkwürdiger Berufswunsch für einen Savannentrampler, aber was will man machen. Also wie die große Karriere starten? Erstmal musste ein geeignetes Thema gefunden werden, über das gesungen werden konnte. Da sich Pete im Schlagermetier gut auskannte, wusste er sofort, dass dies nur Liebe sein konnte. Alles andere wurde von eingefleischten Hardcoreschlagerfans nicht akzeptiert. Okay, vielleicht “Heile Welt“. Aber das war dann doch zu kitschig. Er musste also die Fanbasis erreichen und ihnen aus den Herzen sprechen.

Pete nahm Stift und Papier zur nicht vorhandenen Hand und dichtete drauf los: “Vielleicht wäre ich heute noch traurig, hätte ich Dich nicht getroffen. Wären wir uns nicht begegnet, wäre ich an meinen Tränen ersoffen.“ Der Rest handelte von gebrochenen Herzen, aber am Ende gab es doch ein Happy End. Gesungen zur Melodie der Nationalhymne des Schlagerlandes „Ein Bett im Kornfeld“ waren das doch schon mal sehr sichere Schritte auf dem Weg in den Olymp der Schnulzenhits. Leider fand die restliche Herde den Text nicht gerade toll und die Zebras in ihrer unfassbaren Unmusikalischheit (die eigentliche Vorraussetzung eines JEDEN Schlagerfans) nörgelten an der Melodie herum. Dabei stammte diese Melodie nicht mal von Pete. Doofe Zebras. Da blieb nur noch einen Möglichkeit um den Durchbruch zu schaffen: Auf nach Mallorca!

Petes kleiner elefantistischer Freund Karell-Anton übernahm die Managerrolle und organisierte die Flugtickets. Buisness class natürlich, denn man flog ja nicht zum Spaß auf dieses Eiland. Jedenfalls nicht zum eigenen Spaß. „Woher hat dieser Karell-Anton bloß das viele Geld?“, fragte sich Pete noch, aber das wird wohl sein finsteres Geheimnis bleiben. Das die beiden zum ersten Mal in einem anderen Land waren, fernab ihrer Heimat, schlug ihnen doch sehr aufs Gemüt. Deshalb wurde sich die erste Woche nach Ankunft komplett dem Alkohol gewidmet. Pete und Karell-Antons Gehirne waren nach dieser Woche so zerschlissen, dass sie den Grund für ihren Aufenthalt vergaßen. Zum Glück hatten sie sich einen Zettel geschrieben, auf dem ihr Vierpunkteplan zum Erfolg notiert war. Punkt eins: Lied + Melodie (abgehakt). Punkt zwei: Endlich normaaaale Leute treffen (abgehakt). Punkt drei: Ein Star werden (ausstehend). Punkt vier: Erfolg (ausstehend). Na dann war ja alles klar!

Die ersten Auftritte in den Diskotheken endeten in einem Fiasko. Leute flüchteten, fluchten und flohen. Der tapfere Pete und sein Begleiter bekamen nicht einen Cent, denn die Clubs waren vor ihren Auftritten voller als nach. Auch die liebvoll gestalteten, in diesem Fall nicht illegal Selbstgebrannten CDs fanden keine Käufer. Vielleicht lag es auch daran, dass das Plattencover ein Marmeladenglas zeigte, was völlig aus dem Zusammenhang gerissen schien. Einige Zuhörer mussten sogar in zwangstherapeutische Maßnahmen eingewiesen werden um zu vergessen, was dort geschehen war. (Ihre Version) Einige Zuhörer waren dummdreiste Spinner und schon vorher reif für die Klapse. (Petes Version) Auf jeden Fall stand fest, dass sich was ändern musste.

Doch es begab sich zu der Zeit, dass ein Gebot ausging vom König von Mallorca, dass alle Welt von schlechter Schlagermusik befreit würde. Dumm für unsere Elefanten. Denn ihre Musik war die Verkörperung dessen. Also wurden Pete und Karell-Anton zum König gebeten, auf dass sie ihr Lied vortrugen, um sich der Vierteilung zu entziehen. Der König horchte und sprach sein Urteil: “Meine Melodie ist großartig, euer Text ist es nicht. Könnten wir einen Kompromiss schließen, damit wir beide glücklich werden?“ Außerdem erwähnte er irgendwas von “Klagewelle“, “Copyright“ und “Das wird euer finanzieller und sozialer Ruin sein, wenn ich mit euch fertig bin“. Pete und Karell-Anton versprachen, die Melodie umgehend zu ändern. Später fragten sich beiden putzigen Elefanten, ob dieser komische Kauz, der so oberkörperfrei daherkam, wirklich die juristische Kompetenz-Kompetenz über diese Insel besaß.

Doch die Änderung der Melodie sollte sich, was für ein Zufall, als Glücksfall erweisen. Leute tanzten, turtelten und tobten. Die CDs verkauften sich wie warme Semmeln und geschnitten Brot gleichzeitig. GLEICHZEITIG!!! Es war der Wahnsinn. Schon bald erklärte sich eine (natürlich völlig uneigennützige) Plattenfirma dazu bereit, dem singenden Elefanten einen gut dotierten Vertrag anzubieten. Pete war dafür, doch Karell-Anton hatte die Zeichen der Zeit erkannt und lehnte dankend ab um per Internetdownload richtig Geld zu verdienen. Doch als er einen Namen für die Homepage eingeben musste, waren seine dicken Füße zu ungeschickt. Die Adresse lautete: http://www.kiljersoluw34a8oser4dykiu.de. Das war das Ende der Karriere.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s