Der Elefant Pete VIII

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Der kleine Elefant Pete hatte genug von seinem Elefantendasein und wollte Weihnachtsmann werden. Ein etwas merkwürdiger Wunsch für einen kleinen Elefanten, aber man sollte das Selbstbestimmungsrecht der Vierbeiner nicht unernst nehmen. Jedes Jahr kam diese Zeit in der Savanne, in der alle glücklich waren, sich gegenseitig Geschenke machten, einander lieb hatten und vor allem eine Zeit, in der jeder für den Anderen Verständnis aufbrachte! Nach dieser schönen wundervollen Zeit kam dann Weihnachten. Weihnachten war jetzt nicht unbedingt so beliebt bei den Wüstenbewohnern, weil alle immer neidisch und gierig waren. Pete wusste instinktiv, er musste dieses Mal seinen Teil dazu beitragen, wenn es anders werden sollte.

Pete wusste haargenau, woran das Weihnachtsfest in der Savanne krankte: Es gab keinen Schnee! Er rief seinen kleinen elefantistischen Freund Karell-Anton herbei und beauftragte ihn mit der Konstruktion einer Sand-in-Schnee-Umwandlungsmaschine, kurz SiSU.* Karell-Anton, der unbemerkt ein Fernstudium an der Fernuniversität Santiago im Fach Umwandlungsingenieurswesen belegt hatte, freute sich sehr über diesen seinen ersten Arbeitsauftrag und die SiSU war in kürzester Zeit fertiggestellt. Die erste Konsequenz des Schnees in der Wüste waren zahlreiche Knochenbrüche und Prellungen, denn niemand außer den doofen Zebras konnte sich vernünftig auf dem weißen Teppich fortbewegen. Dies trug nicht gerade zur erhofften allgemeinen Stimmungsaufhellung bei.

Petes alternative Strategie war all die Hyänen, Erdmännchen, Schimpansen, Giraffen und Gorillas da draußen richtig schön besoffen zu machen. Schnell wurden von den Ameisen 137 Hektoliter Glühwein und zwanzig Kisten Rum (oder Amaretto) herangeschafft, Buden aufgebaut und mit unfreundlichem Personal besetzt. Und, man kann es nicht anders sagen, diese Taktik ging voll auf: Auf einmal bewegten sich Gazellen mit beispielloser Grazilität über die Schnee- und Eisflächen im Dorf. Man hätte meinen können, sie wären Eiskunstläufer auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, auf ihrem Olymp bei Olympia, in ihrer Blütezeit nach frostiger Eiseskälte! Verschiedenste Tierarten lagen sich in den Armen und sangen neuerlernte Weihnachtslieder, es wurde gedrängelt und geschubst, dass es nur so eine Freude war. Alle Steppenbewohner steppten im Takt und sangen „Dadadadad dadada dada da da da da“, was sozusagen die Einheitssprache der meisten Tiere war. Bessergesagt die Einheitssprache der Besoffenen. Glücklicherweise bestand sie nur aus zwei Buchstaben und etwas Blut im Alkohol, so dass jeder sie schnell lernen konnte. (Schlangen nicht, denn die sind taub.)

So ging es nun feucht-fröhlich voran, bis der Weihnachtsabend vor der Tür stand. Leider konnte der Weihnachtsabend nicht herein, weil er zu früh und zu dick dran war. Also musste er noch drei Wochen warten, draußen in der klirrenden Kälte, gleich neben der surrenden SiSU und den Glühweinständen. Das bekam ihm nicht sehr gut und der Weihnachtsabend erkrankte, woraufhin er abreiste, nicht aber ohne vorher eine saftige Spesenrechnung zu stellen. Stichwort: Servicewüste Savanne. Er schickte aber immerhin seine Weihnachtsvertretung, den guten alten Geist der zukünftigen Weihnacht. Der wollte Pete erstmal coole neongelbe Sonnenbrillen mit pinker LED-Beleuchtung (sehr festlich…) aufquatschen, aber Pete wollte nicht. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund nuschelte der Geist der zukünftigen Weihnacht immer wieder Passagen aus Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ vor sich hin, was aber vielleicht auch am mit Lampenöl und Kokain gestreckten Glühwein lag. Wie dem auch sei, der Geist der zukünftigen Weihnacht war allgemein sehr negativ eingestellt und malte immer wieder den schwarzen Peter an die Wand: „Was glaubt ihr, wo das noch alles hinführt mit dieser Maschine da draußen?!? Immer nur saufen hat noch nie jemanden geholfen?!? Und sowieso?!? Merkt ihr denn nicht, was ihr da tut?!?“ Die versammelte Mannschaft verstand das  “da tut“ als Weiterentwicklung der Einheitssprache und sang daraufhin unablässig „Datut dadatut dadatutut da tut da tutut“. Daraufhin bat Pete den Medizinmann der Wüstenmäuse um eine spirituelle Reinigung des Raumes und das Thema Geist der zukünftigen Weihnacht war erledigt. Immer diese Miesmacher, die einem auch den schönsten Vollrausch verderben wollen.

Doch nach gefühlten zwei Monaten Durchgezeche dämmerte es Pete langsam. Der Anblick eines Pavians, der sich vor einen Schlitten spannen ließ und versuchte, vom Dach in den Himmel zu fliegen, was weder besonders gut funktionierte noch besonders clever war und relativ blutig endete, brachten ihn zum nachdenken. Vielleicht hatte der Geist doch Recht gehabt? Vielleicht ging es Weihnachten wirklich um schöne Dinge? Vielleicht sogar um Nächstenliebe? Er musste etwas gegen diese Weihnachten unternehmen. Das Ding war völlig außer Kontrolle geraten. Per Dekret erließ er ein offizielles Weihnachtsverbot, jeglicher Glühwein wurde konfisziert, alle Stände geschlossen und die SiSU, die im Übrigen hervorragende Dienste geleistet hatte, wurde abgeschaltet. Bald kehrte der Alltag aus fressen und gefressen werden, Kampf um die besten Wasserplätze, Kampf um die Hierarchie in der Herde, Nahrungsmittelknappheit, stumpfsinnigen Gewaltmärschen wovon man Blasen an den Füßen hatte und der Alltag aus quälend sengender Hitze wieder ein. Das war doch alles viel schöner als Weihnachten oder? Es geht halt nicht mit und es geht halt nicht ohne, dachte Pete und schlief geruhsam ein.

*Für Fortgeschrittene: Diese SiSU funktionierte ganz ähnlich wie Sand-in-Marmelade-Umwandlungsmaschine, kurz SiMU, aus dem ersten Teil.

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2 Gedanken zu “Der Elefant Pete VIII

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